Besseres Feedback in Brainstorming-Sessions
Dies ist der zweite Teil unserer dreiteiligen Serie. In Teil eins erfährst du, wie du die Kreativität in Remote-Teams steigerst. Und in Teil 3 zeigen wir dir, wie du Design-Sprints ko-kreativer gestalten kannst.
Die Entwicklung von Produkten ist heute komplexer denn je. Gutes Design erfordert den Input von Entwickler*innen, Designer*innen, Produktmanager*innen und Marketingexpert*innen. Das macht Feedback zu einem besonders kritischen Element für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
Aber die traditionellen Brainstorming-Formate, die auf persönlichen Meetings basieren, sind mit Herausforderungen verbunden. Wie bringt man ein über Länder verteiltes Team zusammen? Und was passiert, wenn eine laute Stimme den Ideenfluss der Gruppe blockiert?
Beim virtuellen Brainstorming kommen Tools zum Einsatz, die es Remote-Teams leicht machen, kollektiv zusammenzuarbeiten.
Schluss mit Produktionsblockaden und Bewertungsängsten
Stell dir folgende Situation vor: Bei einer Brainstorming-Session, die persönlich stattfindet, schlägt ein Designer die Überarbeitung des Anmeldeprozesses für App-Benutzer*innen vor. Der Vorschlag ist elegant und innovativ, aber eine besorgte Entwicklerin im Raum beendet die Diskussion mit dem Verweis auf technische Einschränkungen.
Dieses Szenario kommt so häufig vor, dass es einen Namen hat: Produktionsblockade (auch: „Production Blocking“). Das ist, wenn eine Stimme in der Brainstorming-Gruppe dominiert und alle anderen am Sprechen gehindert und von der Ideenfindung abgelenkt werden.
Der Rest des Teams hat nun Angst, für seine Ideen kritisiert zu werden – und teilt sie deshalb nicht. Der Begriff dafür ist Bewertungsangst. Sie steht neuen Ideen und Verbesserungen im Weg.
Der Umstieg auf digitale Brainstorming-Sessions hat nachweislich beide Phänomene reduziert.
Bei Remote-Sitzungen können alle gleichzeitig iterieren. Während eine Person ihre Idee über ein virtuelles Whiteboard präsentiert, kann das Team sie in den Kommentaren weiter verbessern und mit „+1“ Unterstützung zum Ausdruck bringen.
Mit mehr Beteiligungsmöglichkeiten wird Introvertierten und Menschen, die mehr Ruhe und Zeit zum Nachdenken brauchen, Raum gegeben, ihre Sichtweisen mit einzubringen. Entwickler*innen sind weniger ängstlich, wenn es um die Kritik an einem Entwurf geht. Und niemand kann eine Diskussion dominieren.
Diverse Ideen-Entwicklung
Wenn Brainstorming von überall aus stattfinden kann, können mehr Personen mit unterschiedlichen Perspektiven daran teilnehmen. Aber obwohl zwei Köpfe besser sind als einer allein, sind zwei Dutzend Köpfe manchmal schlechter.
Warum? Weil große, persönlich stattfindende Brainstorming-Gruppen nachweislich weniger Ideen hervorbringen als kleinere Teams. Das ist beim virtuellen Brainstorming nicht der Fall. Wenn Menschen remote brainstormen, verbessern sich die Ergebnisse sogar mit der Gruppengröße.
Wenn du Produkte dezentral entwickelst, kannst du dann Growth- und Finance-Teams zu Brainstorming-Runden einladen, ohne dass der Ideenfindungsprozess verwässert wird.
Tipps für optimales Feedback in virtuellen Brainstorming-Sessions
Für das Brainstorming mit einem räumlich getrennten Team gelten bestimmte Regeln. Ihr könnt euch nicht einfach alle in einem Konferenzraum versammeln und mit Post-it-Zetteln um euch werfen. Es braucht einen anderen technischen Ansatz und ein paar neue Taktiken, damit sich alle schnell und mit Elan beteiligen können.
Erstelle ein virtuelles Whiteboard: In diesem Video kannst du die FigJam-Basics lernen, mit denen du und dein Team an Projektplänen, Flussdiagrammen und vielem mehr arbeiten können. Und hier findest du eine schnelle Brainstorming-Vorlage, mit der du sofort loslegen kannst.

Verschaff deinem Team einen Vorsprung: Gebündelte individuelle Arbeit kann im Ergebnis produktiver sein als synchrone Gruppen-Sessions. Bring das Beste aus beiden Welten zusammen, indem du deinem Team frühzeitig Zugang zum Arbeitsbereich freischaltest oder vor dem Meeting eine kurze Liste mit Leitfragen bereitstellst.
Verfasse eine Liste zur Kommunikations-Etikette: Mit klaren Kommunikationsregeln kannst du Zoom-Fatigue entgegenwirken und ein diverses Team zusammenbringen. Du kannst der Liste Dinge wie die Verwendung der „Hand heben“-Funktion zum Sprechen hinzufügen und die Verwendung des Chats empfehlen. Halte außerdem fest, wann es in Ordnung ist, das Video im Meeting ein- oder auszuschalten.
Teile alles im Voraus: Am Besten teilst du Links zu allen Ressourcen und Dokumenten sowohl in einer Kalendereinladung als auch per E-Mail ein paar Tage vor dem Meeting. Das können Links zum Whiteboard oder zur Frageliste sein, zur Tagesordnung, zu den Kommunikationsregeln und zu allen Hintergrundinformationen, die das Problem näher erläutern, das es zu lösen gilt. Und denk an die Erklärung zur Barrierefreiheit!
2. Während der Session
Hol ein*e Co-Moderator*in mit ins Boot: Er oder sie kann den Chat im Auge behalten, sich um technische Probleme kümmern, Notizen machen und den Bedarf für Barrierefreiheit prüfen. So hast du den Kopf frei und kannst dich besser um dein Team kümmern.
Veröffentliche alle Materialien: Teile Ziele, Regeln, Agenda und Fristen sowohl mündlich als auch digital an einem Ort, an dem alle sie finden können.
Starte mit einem Eisbrecher: Am Besten mit einem, der die Kreativität anregt. Tom Harman, Design Director bei Monzo, gibt seinem Team 60 Sekunden Zeit, um Tiere für den „Monzoo“ zu zeichnen.
Teil das Team in kleinere Gruppen auf: Bei kreativen Aufgaben neigen große Gruppen dazu, bestehende Ideen zu reproduzieren, während kleine Teams eher ganz neue Ansätze finden. Wenn du also in einem großen Team brainstormen willst, teile es in Arbeitsgruppen mit weniger Personen auf. Anschließend bekommt jede Gruppe Zeit, ihre Ideen zu präsentieren.
Mach Musik an: Melodien können Menschen innerhalb einer Gruppe synchronisieren. Das nutzen wir, wenn wir in dem Teil der Brainstorming-Session Musik spielen, in dem jede*r für sich konzentriert arbeitet.
3. Nach der Session
Plane Zeit für Ideen nach der Session ein: Die besten Gedanken kommen dann, wenn wir nicht aktiv nach ihnen suchen – das sieht auch die Wissenschaft so. Die „Aha“-Momente nach einer Session kannst du einfangen, indem du den Zugang zum Whiteboard für einige Tage offen lässt. Außerdem kannst du jetzt die Gedanken von internen und externen Teammitgliedern zu der Sitzung und ihren Ergebnissen einholen.
Kommuniziere die nächsten Schritte: Wenn Energie in ein Brainstorming fließt, das zu nichts führt, ist das frustrierend. Plane deshalb eine Kommunikationsstrategie, mit der du wichtige Meilensteine des Fortschritts nach der Session mit dem Team teilst. Du kannst zum Beispiel E-Mails mit einer kurzen Zusammenfassung verschicken, umgesetzte Entwürfe vorstellen und öffentlich Bescheid geben, wenn eine Idee aus der Session live geht.
Virtuelle Brainstorming-Frameworks
Für die Gestaltung von Brainstorming-Sessions gibt viele Möglichkeiten – und manche eignen sich besser für die virtuelle Zusammenarbeit als andere. Am besten probierst du mehrere aus und guckst, was am besten funktioniert.
Die Crazy 8 sind bei Figma besonders beliebt. Dabei bekommt jedes Breakout-Team acht Minuten Zeit, um acht Lösungen für ein Problem zu finden.

Eine Mindmap ist ein nicht-lineares Diagramm von Themen und Konzepten, die sich auf eine zentrale Idee beziehen. Durch diese Darstellung wird eine langweilige Liste von Informationen zu einem visuellen, greifbaren Bild.
Brainwriting ist wie „stille Post“, aber zur kreativen Ideenfindung. Die Teilnehmer*innen protokollieren Ideen oder Entwürfe und geben sie dann an die nächste Person in der Gruppe weiter, die sie überarbeitet oder zur Verbesserung eigener Ideen verwendet. Brainwriting eignet sich besonders gut für das asynchrone Brainstorming.

„5 Warum-Fragen“ ist eine kollaborative Methode zur Ermittlung der Hauptursache eines Problems. Du fragst so lange nach dem Warum, bis du den wahren Grund für ein Problem gefunden hast. Diese Methode eignet sich besonders, um vor einem Design-Sprint die Probleme zu definieren, die dein Team lösen soll.

Dies war der zweite Teil unserer dreiteiligen Serie. In Teil eins erfährst du, wie du die Kreativität in Remote-Teams steigerst. Und in Teil 3 zeigen wir dir, wie du Design-Sprints ko-kreativer gestalten kannst.
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Weitere Informationen über den Aufbau eines kollaborativen Designprozesses in Unternehmen findest du in unseren Case Studies und Webinaren.





